Orson Hyde, Ein Ruf aus der Wüste, 1842, extract

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Ein Ruf aus der Wüste, eine Stimme aus dem Schoose [Schosse] der Erde.
 
Kurzer Ueberblick des Ursprungs und der Lehre der Kirche “Jesus Christ of Latter Day Saints” in , gekannt von Manchen unter der Benennung: “die Mormonen.”
 
Von
,
Priester dieser Kirche
 
Frankfurt 1842.
Im Selbstverlage des Verfassers.
Erstes Kapitel.
Wie der Engel des Herrn dem Joseph Smith jun. erschien.
 
Joseph Smith jun., die Person, zu welcher der Engel des Herrn zuerst gesandt ward, wurde geboren den 23. Dezember A. D. 1805 in der Stadt Sharon, Grafschaft Windsor Vermont. Als er zehn Jahre alt war, zogen seine Eltern nach in den Staat New-York. In dieser und in der nahe gelegenen Stadt verlebte er beinahe eilf [elf] Jahre. Seine einzige Beschäftigung war, den Boden zu pflügen und ihn zu bebauen. Da seine Eltern arm waren, und eine zahlreiche Familie zu ernähren hatten, so war seine Erziehung sehr mangelhaft. Er konnte ziemlich gut lesen, dafür schrieb er aber höchst nothdürftig, und hatte nur geringe Kenntnisse von Redebildern. Höher reichte sein literarisches Wissen nicht. Die meisten der Gegenstände, welche so allgemein in den ’s gelehrt werden, waren ihm in jener Zeit gänzlich unbekannt, wo er mit einer Himmels-Botschaft begünstigt wurde. [p. [13]]
Als er sein fünfzehntes Jahr erreicht hatte, fing er ernsten Sinnes über das Wichtige einer Vorbereitung für die Zukunft nachzudenken an; doch schwer ward es ihm zu entscheiden, wie er sich an ein so bedeutungsvolles Werk zu setzen hätte. Er sah klar ein, daß es ihm unmöglich sein würde, auf dem rechten Wege zu wandeln, ohne ihn zuvor zu kennen; und seine Hoffnungen des ewigen Lebens auf einen Zufall oder eine blinde Ungewißheit zu stützen, das wäre mehr gewesen, als er je zu thun gesinnt war.
Er entdeckte die religiöse Welt arbeitend unter dem Andrange von Irrthümern, die durch ihre widersprechenden Meinungen und Grundsätze den Grund zur Entstehung so verschiedener Sekten und Parteien legten, und deren Gefühle gegen einander nur zu oft durch Haß, Streit, Groll und Wuth vergiftet waren. Er fühlte, daß es nur eine Wahrheit gäbe, und daß diejenigen, welche sie recht verständen, sie auch gleichmäßig verständen. Die Natur hatte ihn mit einem starken, beurtheilenden Verstande begabt, und so sah er denn durch das Glas der Vernunft und des guten Sinnes mit Mitleid und Verachtung auf jene Religionssysteme hin, welche einander so entgegen gesetzt, und dennoch alle offenbar aus den Schriften der Wahrheit gezogen sind. [p. 14]
Nachdem er sich zu seiner eigenen Genugthuung hinlänglich überzeugt hatte, daß Finsterniß die Erde bedeckte, und grosse Dunkelheit die Völker, da verließ ihn die Hoffnung, je eine Sekte oder Partei zu finden, die im Besitze der reinen Wahrheit wäre.
In Folge dessen machte er sich denn selber glaubensvoll an die Untersuchung des Wortes Gottes, als die beste Art und Weise zur Erkenntniß der Wahrheit zu gelangen. In dieser lobenswürdigen Beschäftigung hatte er noch nicht lange fortgefahren, als seine Augen auf folgende Stelle des heiligen Jakobus fielen:
“Wenn Jemand von euch der Weisheit bedarf, so laßt sie ihn von Gott begehren, der da allen Menschen freigebig gibt und nichts vorwirft, und es soll ihm gegeben werden.” —
Diese Stelle betrachtete er als eine Vollmacht zu einem feierlichen Aufrufe an seinen Erschaffer, um vor Ihm seine Bedürfnisse ausbreiten zu dürfen, mit sicherer Hoffnung zum gewissen Erfolge. Und so fing er denn an, die heißen Wünsche seiner Seele mit glaubensvoller Entschlossenheit zum Herrn hinauf zu senden. Bei einer gewissen Gelegenheit begab er sich in ein kleines Wäldchen nahe an seines Vaters Wohnung, und knieete nieder zum feierlichen Gebete vor Gott. Da machte der Widersacher verschiedene mächtige Versuche, den Eifer seines Gemüthes zu erkalten. Er umnachtete seinen Verstand mit Zweifeln, [p. 15] und führte seiner Seele allerlei unpassende Bilder vor, um ihn an der Erreichung des Gegenstandes seiner Bestrebungen zu hindern; allein die überfließende Gnade unseres Gottes kam ihn aufzurichten, und verschaffte neue Triebe seinen schwindenden Kräften. Bald theilte sich jedoch die trübe Wolke, und Licht und Friede füllte sein geängstigtes Herz. Und von Neuem rief er wieder mit Glauben und Kraft des Geistes zum Herrn.
In diesem heiligen Momente schloß sich die, ihn umgebende Natur vor seinen Blicken, um der Darstellung himmlischer und geistiger Dinge freien Raum zu geben. Zwei glorreiche, himmlische Personen stunden vor ihm, die sich in Gesicht und Gestalt ganz einander glichen. Diese unterrichteten ihn, daß seine Gebete erhört seien, und daß der Herr beschloßen habe, ihn mit besonderer Gunst zu beglücken. Es wurde ihm auch gesagt, daß er keiner Religions-Secte [Sekte] oder Parthei anhängen solle, da alle derselben in ihrer Lehre irrten, und keine von Gott als Seine Kirche und Sein Reich angesehen wäre. Ferner ward ihm noch befohlen, in Geduld zu harren bis zu einer künftigen Zeit, wo die wahre Lehre Christi und die ganze Vollheit des Evangeliums ihm soll geoffenbaret werden. Das Gesicht schloß sich, und Friede und Ruhe stiegen in sein Gemüth. [p. 16]
Einige Zeit nachher als ihm diese himmlische Offenbarungen geworden sind (in seinen früheren Jahren), verfiel er in die Fehler und Eitelkeiten der Welt, welche er später jedoch aufrichtig bereute.
Am Abende des 21. Septembers A. D. 1823 gefiel es dem Herrn sein Flehen wieder zu erhören, und den Bitten seines Herzens zu antworten. Er begab sich wie gewöhnlich, in dieser merkwürdigen Nacht zur Ruhe mit dem betenden Wunsche, daß ihm wieder eine Unterredung mit irgend einem himmlischen Boten gewährt werden möchte, der ihm die gewünschte Unterweisung über seine Annahme vor Gott, so wie auch über die zu enthüllenden Grundsätze der Lehre Christi geben würde, der Verheißung gemäß, die ihm in dem früheren Gesichte ward. Als er so fortfuhr sein Gebet dem himmlischen Vater zuzusenden, da füllte plötzliches Licht, gleich dem des Tages, nur noch reiner und verklärter, das Zimmer. Der erste Anblick war in Wahrheit, als ob das Haus in verzehrendem Feuer stünde. Das plötzliche Erscheinen dieses Lichtes, hatte eine Wirkung, gleich der eines heftigen Stoßes, auf seinen Körper, die bis an dessen Extremitäten fühlbar war.
Sein Gemüth jedoch fühlte sich sogleich mit Ruhe und Heiterkeit übergoßen, und sein Zustand erhob sich zu einem Entzücken der Freude das jede Beschreibung [p. 17] übersteigt. In derselben Minute stand eine Person vor ihm, deren Gestalt, ohngeachtet des Lichtes, welches das Zimmer erhellte, von noch strahlenderem Glanze umfloßen war. Ihr Gesicht, obgleich dem Blitze ähnlich, war lieblichen, unschuldigen und gewinnenden Anblickes, so daß jede Furcht aus seinem Herzen verbannt war.
Die Figur dieser Person war etwas über die gewöhnliche Höhe der Männer im jugendlichen Alter; ihre Kleidung war vollkommen weiß, und schien ohne Nacht zu sein.
Dieses glorreiche Wesen gab sich selber als einen Engel Gottes kund, gesandt auf Befehl des Herrn, ihm zu verkünden, daß sein Gebet nun wirklich erhöret sei, und daß er ihm die frohe Botschaft bringe, daß der Bund, welchen Gott mit den Alten in Israel in Betreff ihrer Nachkommenschaft gemacht hatte, nun der Zeit seiner Erfüllung nahe sei; daß das grosse Vorbereitungs-Werk zur zweiten Ankunft des Messias, seinen Anfang nehmen werde, daß die Vollheit des Evangeliums mit Macht unter allen Nationen gepredigt werden werde, um ein Volk zu bilden mit Glauben und Gerechtigkeit für das tausendjährige Reich allgemeinen Friedens und ungestörter Freude.
Diese Belehrungen wurden ihm hier gegeben, damit er als ein von Gott Berufener und Auserwählter [p. 18] die wunderbaren Absichten erkenne, die Gott durch ihn bewirken wolle. Es ward ihm auch gesagt, daß die “Amerikanischen Indier”, Trümmer des Hauses Israel wären, und daß selbe, als sie Jerusalem verließen, um nach Amerika auszuwandern, ein erleuchtetes Volk waren, im Besitze der Kenntniß des wahren Gottes, seines Segens und seiner besondern Gunst genießend. Die Propheten und begeisterten Schriftsteller unter ihnen waren beauftragt, eine Geschichte über die unter ihnen statt findenden wichtigen Ereigniße zu führen, und sie so von Generation zu Generation zu überliefern.
In Länge der Zeit verfiel dieses Volk in große Gottlosigkeit, und der größere Theil desselben ward vertilgt: aber ihre Urkunden wurden auf Befehl des Herrn durch einen ihrer letzten Propheten schützend in den Schoos [Schoss] der Erde niedergelegt, um sie vor den Händen der Gottlosen zu bewahren, die sie zu zerstören suchten. Es ward ihm gesagt, daß diese Urkunden viele heil. Offenbarungen enthielten, die zur Ergänzung des Evangeliums gehörten, und die als Prophezeihungen im großen Bezuge auf die Ereigniße der letzten Tage stünden, und daß sie ferner um der, den Alten gegebenen Verheißung willen, die diese Urkunden niedergeschrieben haben, zur Kenntniß der Völker gelangen müßen, um so den Absichten Gottes zur Wiedereinsetzung ihrer Kinder den Weg zu bahnen. [p. 19]
Auch ward ihm versprochen, daß wenn er gläubig befunden würde, er das hoch begünstigte Werkzeug sein sollte, diese heiligen Dinge ans Licht zu bringen. Er ward noch besonders aufmerksam gemacht, daß dies Werk im einzigen Hinblicke auf Gott gethan werden müße, und daß da keiner mit diesen heil. Schriften vertraut gemacht werden könnte, der sich bemühen würde, sich selbst zu erheben, bei Verwendung dieser heiligen Dinge zu ungerechten und speculativen Zwecken.
Nachdem der Engel dem Joseph Smith noch viele andere Belehrungen, gegenwärtige und künftige Dinge betreffend gegeben hatte, die aber in diesem Werke nicht alle aufgezeichnet werden, verschwand er, und die Glorie des Herrn mit ihm, jedoch sein Gemüth blieb beseligt mit himmlischen Frieden.
Bis zum anbrechenden Morgen ward dies Gesicht noch zweimal wiederholt, und immer mit neuen Belehrungen, das Vollbringen des grossen Werkes Gottes auf Erden betreffend.
Am nächsten Morgen ging Joseph Smith hinaus ins Freie an seine Arbeit wie gewöhnlich; und hier erneuerte sich das Gesicht zum wiederholten Male. Der Gesandte des Herrn erschien ihm auf dem Felde und zeigte ihm den Fleck, wo die heil. Urkunden, von deren [p. 20] Wichtigkeit er Nachts vorher schon unterrichtet worden war, niedergelegt wurden, und er befahl ihm, sogleich zu gehen und nach denselben zu sehen. Dem zufolge begab er sich an den bezeichneten Platz, welcher nicht weit von seines s Wohnung entfernt war. Es war am 22. Sept. A. D. 1823, wo er nach einer kleinen Anstrengung beim Aufgraben der Erde und Hinwegräumung mehrerer über einander gelegter Steine, die mit Maurerkitt verbunden waren, endlich die heiligen Urkunden seinen natürlichen Augen dargegeben sah. Während er staunend und bewundernd diese geheiligten Schätze betrachtete, sieh! da stand der Engel des Herrn, der ihn vorhin schon besucht hatte, wieder an seiner Seite. Und seine Seele ward wieder erleuchtet wie Abends vorher, er ward erfüllet mit dem heiligen Geiste, der Himmel öffnete sich und die Glorie des Herrn erschien um ihn.
Und als er so dastand in Entzücken versunken in Gegenwart des Boten himmlischer Glückseligkeit, da sprach der Engel zu ihm: “Sieh!” — Und als er dieß gesagt hatte, sah Joseph Smith den Fürsten der Finsterniß vorbeiziehen mit einem zahllosen Heere seiner Verbündeten; und der Himmelsbote sagte abermals zu ihm:
“Dir ist nun gezeiget worden das Gute und das Böse, das Heilige und Unreine, die Glorie Gottes und die Macht der Finsterniß, damit du hernach [p. 21]
erkennen möchtest, die beiden Gewalten, um nicht von dem Bösen bethört zu werden. Sieh, was da immer dich zum Guten aufmuntert, das kommt von Gott, was es aber nicht thut, das ist vom Bösen. Er ist es, der der Menschen Herz mit Uebel füllt, damit sie wandeln in Finsterniß und Lästerung des Herrn; du aber wirst von nun an erkennen, daß seine Wege zum Verderben führen, jener aber der Heiligkeit zu Friede und Ruhe. Jetzt ist es dir noch nicht erlaubt, diese Urkunden in Empfang zu nehmen, denn es ist der Befehl des Herrn, daß, wenn diese heiligen Dinge erlangt werden wollen, es durch Gebet, Glauben und Gehorsam gegen den Herrn geschehen müße. Sie wurden hier niedergelegt als Mittel zur Anhäufung irdischen Gewinnes, oder zur Verherrlichung dieser Welt. Sie wurden versiegelt und eingegraben unter Gebeten des Glaubens, und haben für die Menschenkinder keinen anderen Werth als den ihres Inhaltes. Auf ihnen ist niedergeschrieben die Vollheit des Evangeliums Jesus Christi so wie es gegeben ward seinem Volke in diesem Lande (.) Und wenn es verbreitet werden soll durch die Macht Gottes, so wird es hingebracht werden zu den Völkern, die nicht aus dem Hause Israel sind. Viele derselben werden es annehmen, und nachher wird der Samen Israels gebracht werden in die Hürde ihres Erlösers, wenn sie diese offenbarten Dinge befolgen. Jene Vorfahren, welche die Gebote des Herrn in diesem [p. 22]
Lande () beobachteten, erlangten von seiner Gnade, durch glaubensvolle Gebete die Verheißung: daß, wenn ihre Abkömmlinge in Irrthümer und Abfall geriethen, sie die heiligen Urkunden nicht erhalten möchten, sondern daß selbe aufbewahret würden bis zu den letzten Tagen ihrer Kinder. Diese Dinge sind geheiliget, und müssen so gehalten werden, denn die Verheißung des Herrn in Betreff derselben wird erfüllet werden. Doch Niemand wird sie erlangen, dessen Herz unrein ist; denn ihr Inhalt ist heilig, durch sie will der Herr ein großes und wunderbares Werk vollbringen: Die Weisheit des Weisen soll zu nichte werden, und der Verstand des Klugen mit Dunkelheit umhüllet sein. Und wenn die Macht Gottes sich offenbaret, so werden jene, die da in Wahrheit zu wandeln glauben, mit Täuschung ringen und im Aerger zittern. Die Herzen der Gläubigen aber werden mit Zeichen und Wunder , mit Geschenken und Heilungen, mit Kundmachung der Macht Gottes und mit dem heiligen Geiste getröstet werden. Dir ist nun gezeiget worden, die Macht des Herrn und die des Satans. Du siehst, daß nichts wünschenwerthes in den Werken der Finsterniß ist, daß sie keine Glückseligkeit gewähren können, und daß jene, welche in selbe verfallen, nur elend und unglücklich sind, — während auf der andern Seite die Gerechten beglückt werden mit einem Platze in dem Reiche Gottes, wo unaussprechliche Freude sie [p. 23]
umgibt. Dort sind sie erhaben über die Macht des Feindes der Wahrheit, und kein Uebel kann sie mehr stören. Die Glorie Gottes krönet sie, sie feiern ein ewiges Fest seiner Güte und sonnen sich in dem Lächeln seines Angesichtes. Obgleich dir geoffenbaret worden ist, auf welche Art du immer fähig sein wirst, das Böse zu entdecken, so will ich dir dennoch ein Zeichen geben. Und wenn es geschehen soll, dann wisse, daß der Herr Gott ist, daß Er Seine Absichten vollziehen will, und daß der Inhalt dieser Urkunden zu allen Nationen, Zungen, Stämmen und Völkern unter den weiten Himmel gehen soll. Dieß ist das Zeichen: Wenn diese Dinge anfangen bekannt zu werden, das heißt, wenn es bekannt wird, daß der Herr dir diese Dinge gezeigt hat, dann werden die Vollbringer der Ungerechtigkeit deinen Untergang suchen. Sie werden Falschheiten in Umlauf bringen, um deinen Ruf zu zerstören, auch werden sie nach deinem Leben streben. Doch merke, daß, wenn du glaubensvoll bist, und die Befehle des Herrn vollziehest, du bewahrt werden wirst, um diese Dinge zur Kenntniß zu bringen, denn in gemessener Zeit wird dir Befehl gegeben werden, zu kommen und sie zu holen. Wenn sie ausgelegt sind, so will der Herr einigen die Priesterwürde verleihen, und diese werden anfangen das Evangelium zu erklären und mit Wasser zu taufen, auch werden sie Gewalt haben den heiligen Geist zu geben, durch Auflegung [p. 24]
ihrer Hände. Dann wird die Verfolgung immer mehr und mehr wüthen, denn die Bosheiten der Menschen werden offenbar werden, und jene, welche nicht auf den Felsen gebaut sind, werden die Kirche Christi zu überwältigen suchen. Aber je mehr Hinderniße, desto mehr wird sie anwachsen, und sich ausbreiten zur Kenntniß der Menschen, bis sie werden geheiliget sein, und eine Erbschaft besitzen, wo der Ruhm des Herrn über ihnen verweilen wird. Und wenn dies Statt finden wird, und alle Dinge vorbereitet sind, dann sollen die zehn Stämme Israels wieder entdeckt werden in den nördlichen Gegenden, wo sie verweilt hatten, für so lange Zeit. Dann wird erfüllet werden, was der Prophet sagte: “Und der Erlöser wird zu Sion kommen und zu denen, welche aus Jakob von der Ungerechtigkeit wieder zurückkehren.” — Und obgleich die Vollbringer der Ungerechtigkeiten deine Zerstörung suchen werden, so wird doch der schützende Arm des Herrn über dich ausgestreckt sein, und du sollst als Sieger hervor gehen aus dem Kampfe, wenn du alle Seine Gebote hältst. Dein Name soll bekannt sein, unter den Nationen, denn das Werk, welches der Herr durch deine Hände vollbringen will, wird den Gerechten zur Freude, den Bösen aber zur Wuth gereichen. Bei den Ersteren wird dein Name in Ehren stehen, den Letztern aber zum Vorwurf sein. Ja für diese soll er ein Schrecken sein, um des großen und wundervollen Wer [p. 25]
kes wegen, das vorausgehen soll zur Vollfüllung des Evangeliums. Gehe nun deinen Weg, und erinnere dich, was der Herr für dich gethan hat. Sei eifrig in Befolgung seiner Gebote und Er wird dich befreien von den Versuchungen, Nachstellungen und Fallstricken des Bösen. Vergiß nicht zu beten, damit dein Gemüth stark werde, auf daß du Macht habest dem Bösen zu entkommen, wenn sich der Herr dir offenbaren will zur Erlangung dieser köstlichen Dinge.” —
Während der Zeitdauer der vier folgenden Jahre empfing Joseph Smith noch manche Belehrung aus dem Munde des himmlischen Boten. Und am Morgen des 22. Septembers A. D. 1827 erlaubte ihm der Engel des Herrn, diese Urkunden in Empfang zu nehmen. Diese waren auf gleichförmige Platten eingegraben , welche wie Gold erschienen. Jede Platte war beinahe 7 Zoll breit, und beinahe 8 Zoll lang, und an Dicke etwas geringer als gewöhnliches Blech. Diese waren eingegraben mit sauberer Schrift ähnlich den ägyptischen Hieroglyphen und in Form eines Bandes dreimal mit Draht zusammen geheftet, der mittelst kleiner Löcher an den Enden durch das Ganze gezogen war. Das ganze Buch war beiläufig 8 Zoll dick und ein Theil desselben war versiegelt. Die Charaktere oder Buchstaben des unversiegelten Theiles waren (nach den Worten Mr. , aus dessen Schriften ich vor [p. 26]hergehende Erzählung entnommen) klein und künstlich schön eingegraben. Der ganze Band trug viele Anzeichen des Alterthums so wie der Geschicklichkeit im Graviren. Mit den Urkunden wurden zwei durchsichtige Steine gefunden, klar wie Krystall, die von den Männern der Vorzeit “Seher” genannt, gebraucht wurden. Die Art, auf welche sie selbe benützten, war folgende: Diese zwei Steine, genannt Urim und Thummim, im Durchmesser einer englischen Krone (Münze) nur etwas dicker, wurden dahin gelegt, wo alles Licht ausgeschlossen war. Die handelnden Personen opferten alsdann ihre Gebete dem Herrn und die Antwort erschien, geschrieben mit Buchstaben des Lichts auf den Urim und Thummim, verschwand aber sehr bald wieder. So: “Kam Licht in Finsterniß, allein die Finsternisse begriffen es nicht.” — Auf diese Art wurden diese geheiligten Urkunden in’s Englische übersetzt. [p. 27]
Zweites Kapitel.
Ueber die Uebersetzung dieser heiligen Urkunden in die englische Sprache, sowie auch eine kurze Aufzählung der Gegenstände, welche sie enthalten.
 
Nachdem es bekannt geworden war, daß Joseph Smith himmlische Erscheinungen gehabt hatte, und daß ihm die Kenntniß der heiligen Urkunden gewährt worden war, fingen viele an, darüber zu spotten, und diese Idee lächerlich zu machen. Andere waren geschäftig, niedrige Verläumdungen und Falschheiten gegen ihn in Umlauf zu bringen; manche waren geneigt ihn mit Gewalt zu behandeln, und wieder andere glaubten und waren verlangend, mehr zu sehen und zu hören. In der That, es brachte eine solche Aufregung in dem Volke hervor, gleich jener in Jerusalem, als Christus geboren ward, wovon gesagt worden: “Herodes erschrack und ganz Jerusalem mit ihm.” —
In Folge dieser grossen Aufregung denn fand Joseph Smith es geeigneter, mit seinem , das [p. 28] er kurz vorher geheirathet hatte, in die Nähe seines s hinzuziehen in den Staat an die Ufer des herrlichen Jusquehannah-Flusses [Susquehanna Flusses]. Ehe er verließ, ward zu verschiedenen Malen nach ihm geschossen, er entkam aber immer unbeschädigt durch göttliche Fügung. Jedoch einmal ward er von zwei Männern so heftig mit Knütteln geschlagen, daß er noch bis zu diesem Tage die Spuren davon an seinem Körper trägt. Die öffentlichen Blätter fingen an zu grübeln, zu vermuthen und zu fragen, was wohl der Endschluß des Ganzen werden soll.
Nachdem er sich also eine Heimath in diesem Theile des Landes verschafft hatte, fing er an, die Urkunden unter der Leitung Gottes und mit Hilfe des “Urim’s und Thummim’s,” die schon früher beschrieben wurden, aus der “reformirten egyptischen” Sprache zu übersetzen. Da er in der Kunst des Schreibens sehr mangelhaft gebildet war, so war er genöthigt, einen Schreiber zu verwenden, der es niederschrieb, so wie es aus seinem Munde kam.
In der Zwischenzeit jedoch kopi[e]rte Joseph Smith mehrere Charaktere von dem Originale und übersetzte sie, welche beide, die Kopie und die Uebersetzung, in die Stadt gebracht wurden, um dort einem vorgelegt zu werden, der unter dem Titel eines [p. 29] Autors als ein, in allen alten und neuen Sprachen viel erfahrener Mann bekannt war. Er untersuchte sie beide, und es ward ihm unmöglich sie zu entziffern; jedoch meinte er, daß, wenn die Original-Urkunde gebracht würde, er bei deren Uebersetzung behülflich sein könnte.
Doch um wieder umzukehren; Joseph Smith fuhr in seinem Uebersetzungs-Werke so fort, als es ihm seine pekuniären Verhältnisse erlaubten, bis daß er den unversiegelten Theil der Urkunden fertig hatte. Dieser übersetzte Theil ist betitelt: “Das Buch Mormon”, dessen Inhalt etwas mehr als das neue Testament umfaßt. [p. 30]